Erstes autonomes Frauenhaus
in Leipzig

Bericht von Frau A.

Ich musste mit meinen Kindern vor meinem Partner flüchten. Zuerst wussten wir gar nicht, wo wir hin sollten, ich wollte die Kinder ja auch nicht einfach von heute auf morgen aus dem Kindergarten und aus der Schule raus reißen. Aber täglich bedroht zu werden und meinen Kindern die Szenen zu Hause zuzumuten, nein, das ging so auch nicht mehr. Wir fühlten uns einfach auf Schritt und Tritt verfolgt und hatten irgendwie keine ruhige Minute mehr. Ich hatte wahnsinnige Angst und war total verunsichert. Was wird mein Mann wohl als nächstes tun? Ob er versucht, mir die Kinder wegzunehmen?

Die Nummer vom Frauenhaus hat mir dann die Polizei gegeben, aber es hat mich Kraft gekostet, die Entscheidung zu treffen. Es war ja alles neu und unbekannt und es ist auch so schwer, den Kindern zu erklären, was passiert und wo wir hingehen. Man fühlt sich ziemlich allein.

Aber im Frauenhaus waren dann auch andere Frauen mit Kindern, und das war eine große Entlastung. Wir konnten uns mit der Kinderbetreuung mal abwechseln und uns austauschen. Da hab ich dann festgestellt, dass viele Probleme auch bei andern Frauen vorkommen und alle sich ähnliche Gedanken machen. Na ja, und die Kinder konnten wenigstens zusammen spielen und hatten da auch echt Spaß bei. Das hat mich gefreut.

Es war ziemlich viel zu erledigen, ich hatte viel Rennereien wegen Kindergartenplätzen und Schule, wir sind ja mitten im Schuljahr geflüchtet. Und natürlich mussten wir auch gucken, wie geht es jetzt weiter, so mit Geld und Wohnung.

Die Mitarbeiterin im Frauenhaus hat mir erst mal geholfen, wieder Struktur in meinen Alltag zu bekommen, und sie hat mir Mut gemacht. Der ganze Berg an Aufgaben wurde dadurch kleiner und auf einmal hatte ich das Gefühl, dass ich viel regeln kann. Inzwischen haben wir das Frauenhaus wieder verlassen und eine Wohnung gefunden. Manchmal hab ich noch Angst, dass mein Mann uns vielleicht doch findet, und frage mich, ob ich das allein schaffe, so mit den Kindern. Eigentlich bräuchte ich auch mal Zeit für mich allein… Aber ich hab gemerkt, dass das Weggehen der wichtigste Schritt war. Ich weiß jetzt, dass ich nicht alles ertragen muss und mir Hilfe suchen kann.

Bericht von Frau Z.

Ich wurde lange von einem Mann – der sich einbildete, mein Partner zu sein – verfolgt, bedroht, kontrolliert, am Telefon terrorisiert und vieles mehr….. , sogar meine Freundschaften sind durch ihn zerbrochen.

Zu meinem Glück konnte ich erst mal im Frauenhaus Schutz und Hilfe und Verständnis finden. Hier war ich sicher und konnte über mein Erlebtes, meine Ängste und Unsicherheiten reden, wurde Ernst genommen und bekam konkrete Hilfe und Beratung. Irgendwann wollte ich aber wieder in meiner Wohnung leben und ging zurück. Die Ruhe währte nicht lange…Dieser Mann verschaffte sich mit Gewalt Zutritt zu meiner Wohnung, würgte mich, er schloss mich ins Bad ein und drohte sich und mich umzubringen – irgendwie konnte ich mich befreien und flüchtete wieder ins Frauenhaus.

Später suchte und fand ich eine kleine Wohnung, sicherte mich mit Auskunftssperre, Postfachnummer, anderen Namen am Klingenschild ab und bekam weiter unterstützende Beratung durch die Mitarbeiterin des Frauenhauses, aber ich fühlte mich trotzdem nicht mehr sicher in dieser Stadt. Ich zog weg, fand Arbeit und lebe jetzt sicher, arbeite meine Vergangenheit auf. Das ist nicht so leicht aber für mich wichtig. Ich bin am Leben und fühle mich wieder normal.

Ich hätte schon viel eher ins Frauenhaus gehen sollen, dann wäre mir vielleicht viel erspart geblieben… aber ich dachte, ich schaffe es allein!

Bericht von Frau C.

Ich konnte nicht mehr, ich war am Ende und wusste nicht mehr weiter…… die Schläge und Demütigungen und Beleidigungen durch meinen Mann wurden immer schlimmer. Früher war er nicht so, ich denke, dass es mit dem Alkohol zusammenhing, den er in sich rein schüttete, ja er wurde unberechenbar. Jetzt weiß ich es.

Irgendwann hatte ich einen Flyer vom Frauenhaus in der Hand und habe dort angerufen, konnte zum Glück gleich dorthin gehen. Ich hatte nach langer Zeit erst mal Ruhe, konnte ohne Angst schlafen gehen, konnte ohne Angst den Tag überstehen.

Mit den anderen Frauen im Haus kam ich gut aus. Wir haben zusammen fern gesehen, gekocht und gespielt, ja wir hatten Spaß. Für kurze Zeit konnte ich vergessen, warum ich hier war.

Natürlich gab es viel zu regeln, wie und wo bekomme ich Geld für meinen Lebensunterhalt, Anträge ausfüllen, mit der Anwältin klären, welche Rechte ich bei einer Trennung habe, was mit der gemeinsamen Wohnung wird, das alles. Die Mitarbeiterin im Frauenhaus hat alles mit mir besprochen, mich unterstützt und mir Hoffnung gemacht, also ich hab` auch wieder eine Zukunft für mich gesehen.

Inzwischen lebe ich allein. Es geht mir nicht blendend, aber gut. Ich habe was für mich geschafft und das macht mich stolz. Natürlich denke ich oft an meinen Mann, die 19jährige Ehe und was eigentlich so schief gelaufen ist in unserer Beziehung, wann das angefangen hat mit dem Alkohol und mit den Schlägen und warum ich das so lange ertragen habe. Nein, zurück will ich nicht, ich könnte es nicht mehr ertragen.